Tabakfabrik

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Anfahrtsplan zum Areal der Tabakfabrik Linz
Gesamtplan des Areals
Bau 1 an der Ludlgasse
Behrensplatz mit Kraftwerk
Säulenhalle in Bau 1
Aufführung der Oper Ulenspiegel im Brandland

Die Tabakfabrik Linz (umgangssprachlich: Tschickbude) ist ein von 1929 bis 1935 nach Plänen von Peter Behrens und Alexander Popp in Linz errichteter Gebäudekomplex. Die denkmalgeschützte Industrieanlage ist der erste Stahlskelettbau Österreichs im Stil der Neuen Sachlichkeit und nicht zuletzt aus diesem Grund architekturgeschichtlich von Bedeutung. [1]

Das Gelände umfasst den gesamten Häuserblock zwischen Unterer Donaulände, Holzstraße, Ludlgasse und Gruberstraße. Bis Ende September 2009 wurden in der Tabakfabrik Zigaretten hergestellt.

Die Entwicklung des Areals wird seit 2010 von der Tabakfabrik Linz Entwicklungs- und Betriebsgesellschaft mbH als Teil der Unternehmensgruppe Stadt Linz vorangetrieben. Die Tabakfabrik Linz hat sich in den vergangenen Jahren sukzessive von einem klassischen Industrie zu einem Zentrum für Kreativwirtschaft ("Creative Industries"), Digitalisierung und Start-ups gewandelt. Mit Stand 1. Quartal 2020 hatten in der Tabakfabrik rund 1700 Personen eine Zugang zu einen Arbeitsplatz. Insgesamt sind rund 250 Organisationen am Areal verortet. Die Bandbreite reicht von IT-Dienstleistern mit mehr als 100 Mitarbeitern über führende Werbe- und Digitalagenturen bis hin zu Start-ups und Ein-Personen-Unternehmen (EPU).

Darüberhinhaus beheimatet die Tabakabrik auch die multidisziplinäre Innovatiosnwerkstatt "Grand Garage" sowie Bildungseinrichtungen wie den Studiengang "Fashion Technology" der Kunstuniversität Linz, die Prager Fotoschule Österreich sowie die "Coder's Bay", eine Lehrgang für Programmierer.

Das VALIE EXPORT Center Linz ist ebenfalls in der Tabakfabrik verortet. Die Forschungseinrichtung verwaltet auch den Vorlass der Linz Performance- und Medienkünstlerin VALIE EXPORT.

Bis Ende 2019 war die "Schule des Ungehorsams" des Linzer Karikaturisten Gerhard Haderer in der Tabakfabrik eingemietet.

Ausstellungs- und Veranstaltungsort

Seit der Übernahme durch die Stadt Linz hat sich die Tabakfabrik Linz als Veranstaltungs- und Ausstellungsort etabliert. Das Areal war Schauplatz großer "Touring Exhibitions" (Wanderausstellungen) wie "Porsche - Design, Mythos und Innovation", "Terrakotta-Armee", "Tutanchamun - Sein Grab und die Schätze", "Körperwelten", "Titanic - echte Funde, wahre Schicksale" und "Die großen Meister der Renaissance".

Außerdem sind regelmäßig große Messen und (Kunst-)Märkte Gast in der Tabakfabrik, darunter die "WearFair & mehr", der "Kunst- und Dsignmarkt", die "Veggie Planet" oder der "Fesch'markt".

Die Tabakfabrik bietet Veranstaltungsflächen unterschiedlichster Größe, die für nahezu jeden Anlass geeignet sind. Die Palette reicht von Workshops, Tagungen und Kongressen über Ausstellungen, Firmenfeiern und Messen bis hin zu spektakulären Open-Airs im Innenhof.

Seit 2010 wurden in der Tabakfabrik rund 1,6 Millionen VeranstaltungsbesucherInnen gezählt (Stand: 1. Quartal 2020).

Geschichte

Die Tabakfabrik wurde 1850 gegründet, um die negativen Auswirkungen durch die Produktionseinstellung der Wollzeugfabrik abzufangen. Die Produktion wurde anfänglich in der Zweiten Färberei der Wollzeugfabrik begonnen. Die Belegschaft bestand dabei zu 90 Prozent aus Frauen. [2] Die „industriefeindliche, ländliche Bevölkerung“ brachte der Tabakfabrik Anfangs keine große Wertschätzung entgegen. Vor allem kirchliche Würdenträger und das Linzer Bürgertum befürchteten „sittliches Verderben“ durch die Fabrik. [3] Bis 1918 wurden aufgrund der stetig steigenden Produktion und aufgrund des technologischen Fortschritts (Dampfmaschine) diverse Um- und Ausbauten der ehemaligen Wollzeugfabrik durchgeführt. [4] Während des Ersten Weltkriegs wurde jährlich rund eine Milliarde Zigaretten hergestellt. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde das Produktionsgelände sukzessive erweitert. 1928 schließlich wurde beschlossen, die Fabrikationsgebäude gänzlich neu zu errichten.[5]

Während des Nationalsozialismus wurde der Betrieb der Tabakfabrik zum so genannten „Musterbetrieb“. Die Tabakfabrik war jedoch auch ein Ort des Widerstands. [6] Während des Zweiten Weltkrieges wurden im Neubau der Fabrik rund fünf Milliarden Zigaretten produziert. [7]

1997 übertrug die Republik Österreich ihre Anteile an den Austria Tabakwerken, und damit auch an der Tabakfabrik Linz, an die ÖIAG. Ab 1997 erfolgte die Privatisierung der Austria Tabakwerke durch die ÖIAG und 2001 ein Verkauf an die Gallaher Group, die die Tabakfabrik Linz an Japan Tobacco International veräußerte. Der japanische Eigentümer stellte den Betrieb 2009 ein. [8] [9] Im Jahr 2010 hat die Stadt Linz das 38.148 Quadratmeter große Fabriksareal und den Gebäudebestand zum Preis von 20,4 Mio. Euro von Japan Tobacco International gekauft und es zum Gebiet der Stadtentwicklung erklärt.

Produzierender Stadtteil

Dem Konmzept der Tabakfabrik Linz Entwicklungs- und Betriebsgesellschaft folgend, soll das Areal wie ein Konzern funktionieren, in dem eingemietete Unternehmen miteinander kollaborieren. [10] Eine Kreativkette soll die diversen Bereiche (Forschung und Wissenschaft über Kunst und produzierendes Gewerbe bis zum geistigen und materiellen Konsumieren) auf dem Areal bündeln. [11] [12] Wohnbauten in der denkmalgeschützten Substanz waren und sind nicht vorgesehen. [13] [14]

Finanzierung

Nachdem anfänglichen finanziellen Schwierigkeiten verläuft die finanzielle Entwicklung der Tabakfabrik seit 2013 positiv. [15] Geld aus der öffentlichen Hand wird lediglich für Instandhaltung, Renovierung und die Adaptierung der denkmalgeschützten Bauten verwendet sowie für die inhaltliche Entwicklung des Areals. Der laufende Veranstaltungsbetrieb sowie die vermieteten Bereiche erwirtschaften 2014 Gewinne. [16] Für die Instandhaltung der Entwicklungsflächen und die Entwicklungsarbeit erhält die GmbH einen Zuschuss der Stadt Linz, dessen Höhe vom Gemeinderat beschlossen wird. Umgekehrt bezahlt die Tabakfabrik für das Areal Miete an die Stadt Linz, die je höher ausfällt, je mehr von der Eigentümerin der Liegenschaft, der Immobilien Linz GmbH, baulich investiert wird. Über die baulichen Investitionen in der Tabakfabrik Linz entscheiden Gremien der Stadt Linz in einem mehrstufigen Verfahren. Die Entwürfe des Entwicklungsteams werden im Aufsichtsrat der Tabakfabrik und im Aufsichtsrat der Immobilien Linz GmbH besprochen, vom Gebäudemanagement der Stadt Linz planerisch und technisch entwickelt und im Gemeinderat der Stadt Linz beschlossen. [17] Nachdem die wichtigsten Sanierungsarbeiten abgeschlossen sind, wird sich die Tabakfabrik Linz über Mieteinnahmen und die Erlöse von Veranstaltungen selbst finanzieren.

Verkehrsanbindung

Die Entwicklung der Tabakfabrik Linz hängt stark mit dem Hafenviertel zusammen. [18]

2013 wurden die Gleise des Areals reaktiviert und es fuhr erstmals ein Personenzug der voestalpine vom neuen Bahnhof der Stahlwelt zur Tabakfabrik Linz. Es war geplant, im Rahmen von Kulturprojekten mit Zügen auf der Strecke zu verkehren. Spätestens 2019 wurde jedoch die Schienenanbindung endgültig aufgegeben.[19] [20]

Momentan ist die Tabakfabrik über die Haltestellen Parkbad (200px-Sinnbild Kraftomnibus.svg.png 12, 25) und Lederergasse (200px-Sinnbild Kraftomnibus.svg.png 12, 25, 27, 70, 72) an den öffentlichen Verkehr angebunden.

Gebäude

NeuBau3

Anfang 2018 erhielt das Unternehmen Ing. Hans Bodner BaugesmbhH & Co KG Bau mit Sitz in Kufstein, Tirol, den Zuschlag im internationalen Bieterverfahren zum "NeuBau3" der Tabakfabrik. Im Zuge der Realisierung wird der nicht denkmalgeschützte Bestand der Tabakfabrik im Westen des Areals ab Ende 2020 abgerissen und durch mehrere neue Gebäude ersetzt. Vorgesehen ist unter anderem ein mehr als 100 Meter hoher Turm an der Ecke Gruberstraße-Untere Donaulände, der unter anderem ein Hotel und Wohnungen beherbergen wird.

Einrichtungen

Bilder

Einzelnachweise

  1. www.linz.at/geschichte/de/1615.asp
  2. Andrea Bina: Skizze einer 159-jährigen Linzer Industriegeschichte, PDF S. 10, abgerufen am 10. September 2014 www.linz.at/images/ko-Tabakfabrik_Linz.pdf
  3. Sabine Fellner, Georg Thiel: Die Geschichte der Tabakfabrik Linz. In: Andrea Bina: Tabak Fabrik Linz. Kunst Architektur Arbeitswelt. Verlag Anton Pustet, Museen der Stadt Linz 2010, S. 26, ISBN 9783702506339
  4. Sabine Fellner, Georg Thiel: Die Geschichte der Tabakfabrik Linz. In: Andrea Bina: Tabak Fabrik Linz. Kunst Architektur Arbeitswelt. Verlag Anton Pustet, Museen der Stadt Linz 2010, S. 29f, ISBN 9783702506339
  5. linz.at: Industriebauten: Tabakfabrik
  6. Sabine Fellner, Georg Thiel: Die Geschichte der Tabakfabrik Linz. In: Andrea Bina: Tabak Fabrik Linz. Kunst Architektur Arbeitswelt. Verlag Anton Pustet, Museen der Stadt Linz 2010, S. 24-63, ISBN 9783702506339
  7. www.linz.at/archiv/denkmal//default.asp?action=denkmaldetail&id=907
  8. tabakfabrik-linz.at/informationen/
  9. de.wikipedia.org/wiki/Tabakfabrik_%28Linz%29
  10. www.nachrichten.at/nachrichten/kultur/Mode-Studium-in-der-Linzer-Tabakfabrik;art16,1332197
  11. derstandard.at/1389858312445/Feuer-und-Flamme-fuer-die-alte-Tschickbude
  12. www.profil.at/articles/1250/560/348709/falk-landinsel-die-linzer-tabakfabrik-kreativquartier
  13. ooe.orf.at/m/news/stories/2619671/
  14. www.meinbezirk.at/linz/wirtschaft/tabakfabrik-ein-stadtteil-entwickelt-sich-d784094.html
  15. www.nachrichten.at/oberoesterreich/linz/Linzer-Tabakfabrik-Geschaeftsfuehrer-tritt-nach-Rechenfehler-zurueck;art66,1143056
  16. www.nachrichten.at/oberoesterreich/linz/Nach-Krise-ist-Tabakfabrik-nun-im-Aufwind;art66,1334635
  17. tabakfabrik-linz.at/konzept/faq/
  18. www.meinbezirk.at/linz/chronik/hafen-soll-zur-modellregion-fuer-stadtentwicklung-werden-d888856.html
  19. www.meinbezirk.at/linz/chronik/interurbahner-schienenschluss-fur-die-tabakfabrik-linz-d671080.html
  20. www.linztv.at/szene/2013-09-10-haltestelle-zukunft.html



Weblinks